selbstmord
die letzte aller türen
doch nie hat man an alle schon geklopft
(Reiner Kunze)
Nach einer Studie der EU und nach den veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes sterben jedes Jahr über 50% mehr Menschen durch Selbstmord als an den Folgen von Verkehrsunfällen. Auch in meiner Praxis habe ich häufig mit Mandanten zu tun, die Angehörige durch einen Selbstmord verloren haben. Sie können sich auf ein offenes Ohr und die anwaltliche Schweigepflicht verlassen.
Scham, Selbstvorwürfe oder Schuldzuweisungen der Hinterbliebenen sind normal und sollten angemessen in den Lebenszusammenhang eingeordnet werden. Niemand trägt die alleinige Verantwortung für die Weichen, die in einem anderen Leben gestellt wurden. Es ist als menschliche Schwäche verzeihlich, wenn eine Bezugsperson aus Erschöpfung oder Verzweiflung eine Lebenskrise falsch eingeschätzt und ihr Leben aufgegeben hat.
Viele kennen von sich selbst den „Selbstmord auf Raten”, also Phasen, in denen sie ihren Körper durch Alkohol, Nikotin, Tabletten, falsche Ernährung oder fehlende Bewegung zerstören oder sich gnadenlos zu Arbeit „bis zum Umfallen” antreiben. Es kann eine Herausforderung sein, das Leben nicht nur zu ertragen, sondern es in vollem Ausmaß zu leben: an unendlich viele Türen klopfen und auch selbst immer wieder die Tür öffnen.
Aus den Trümmern unserer Verzweiflung
bauen wir unseren Charakter.
(Ralph Waldo Emerson)